Abschnitt VWL Wirtschaftskunde 08-2026 - PDF to Chatbot
Published on Aug 07, 2026
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2. Grundbegriffe der Wirtschaft - Volkswirtschaftslehre
2.1. Der Wirtschaftskreislauf
Der Wirtschaftskreislauf ist ein Modell, welches schematisch darstellt, wie Güter, Dienstleistungen und Geld
innerhalb einer Volkswirtschaft – vereinfacht gesagt: eines Landes – zwischen den Wirtschaftsteilnehmern
(Haushalte, Unternehmen, Staat, Banken) bewegt bzw. getauscht werden. Der Tausch kann mit oder ohne
Gegenleistung erfolgen (z. B. mit Gegenleistung: Ware gegen Geld, ohne Gegenleistung: Schenkung). Dabei
gibt es 2 Arten von Bewegungen: Güterströme und Geldströme. Diese verlaufen immer entgegengesetzt,
weil Güter mit Geld bezahlt werden. Daher werden in der folgenden Grafik vereinfacht nur die Geldströme
dargestellt:
Transferzahlungen
Steuern Steuern
Transferzahlungen
Staat
Ausgaben (Konsum) der Haushalte
Einkommen der Haushalte
Haushalte Unternehmen
private Ersparnisse Investitionen
Banken
Abbildung 1: Erweiterter Wirtschaftskreislauf, Quelle: angelehnt an Renker, klett.de
Wie in der Grafik dargestellt, erhalten die Haushalte dadurch, dass sie ihre Arbeitsleistung zur Verfügung
stellen, ihr Einkommen von den Unternehmen. Bei denen geben sie wiederum gleichzeitig Geld für Produkte
und Dienstleistungen aus (Konsumausgaben). Neben den Konsumausgaben leisten die Haushalte auch
Steuerzahlungen an den Staat. Dabei können die Steuern von den Haushalten direkt oder indirekt bezahlt
werden (Dieser Unterschied wird im Kapitel „der öffentliche Sektor“ noch genauer behandelt).
Jene Teile des Einkommens, die von den Haushalten nicht ausgegeben werden, fließen häufig als private
Ersparnisse den Banken zu. Die Banken dienen somit als Sammelstellen für Geld (Finanzkapital). Die Banken
wiederum versorgen die Unternehmen mit Geld in Form von Krediten, über welche die Unternehmen Teile
ihrer Investitionen bezahlen. Die Einkommen der Unternehmen (Gewinne) werden ebenfalls besteuert, und
somit führen auch diese Geld an den Staat in Form von Steuern ab.
Der Staat wiederum leistet neben anderen Ausgaben wie z. B. für Infrastruktur, Verwaltung etc. auch direkt
Zahlungen an die Haushalte und Unternehmen (Transferzahlungen). Diese Zahlungen fließen den Haushalten
in Form von Beihilfen (z. B. Familienbeihilfe, Kinderbetreuungsgeld, Arbeitslosengeld etc.) direkt zu, bei den
Unternehmen sind dies hauptsächlich Subventionen. Auf die Leistungen des Staates und das Thema Steuern
wird in einem eigenen Kapitel noch genauer eingegangen. © lehrabschluss.at Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre Seite | 10
Dieses Modell stellt eine stark vereinfachte Darstellung des Wirtschaftskreislaufes dar, welches natürlich
nicht alle Zahlungsströme im Detail erfasst. So ist z. B. in diesem Modell das Ausland unberücksichtigt
(= geschlossener Wirtschaftskreislauf; wenn das Ausland mit einfließt, spricht man von einem offenen
Wirtschaftskreislauf) oder auch, dass Unternehmen ebenso Ersparnisse haben können. Es geht hier lediglich
um eine grundlegende Darstellung der wirtschaftlichen Zusammenhänge, welche für unsere weiteren
volkswirtschaftlichen Ausführungen in diesem Lehrbuch absolut ausreichend ist.
2.2. Das Marktprinzip
Wenn wir heute über Wirtschaft sprechen, dann sprechen wir zumeist über Vorgänge, die auf
unterschiedlichsten Märkten stattfinden. Ob wir über die Börse, Auktionshäuser, oder online Handelsplattformen sprechen - es handelt sich dabei immer um Märkte. Der Markt definiert sich als das
Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage. Menschen haben Bedürfnisse, die befriedigt werden müssen.
Betriebe erstellen und bieten Produkte und Dienstleistungen an, die in der Lage sind, diese Bedürfnisse zu
befriedigen. Somit gibt es Menschen, die Produkte und Dienstleistungen nachfragen, und Unternehmen,
welche diese anbieten:
Private Haushalte (Konsumenten) Unternehmen (Produzenten)
Produkte und Dienstleistungen
Abbildung 2: Entstehen eines Marktes durch Angebot und Nachfrage
Daraus ergibt sich das Prinzip von Angebot und Nachfrage. In einem klassischen Konkurrenzmarkt gibt es
immer einen direkten Zusammenhang zwischen dem Preis eines Produktes und der nachgefragten Menge.
In der untenstehenden Grafik stellt die orange Linie dabei die Nachfragekurve, die grüne Linie die
Angebotskurve dar. Diese beginnt in unserer Darstellung bei einem Preis über 0, weil Anbieter normalerweise
nicht bereit sind, zu 0 Euro das Produkt am Markt anzubieten:
NACHFRAGE ANGEBOT© lehrabschluss.at Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre Seite | 11
Abbildung 3: Marktgleichgewicht, Angebots- und Nachfragekurve
Nachfragekurve:
Die Nachfragekurve beschreibt, zu welchem Preis die Konsumenten bereit sind, eine bestimmte Menge eines
Gutes nachzufragen. Folgende Darstellung soll dies grafisch verdeutlichen:
Abbildung 4: Beispiel für Angebots- und Nachfragekurve
Die Nachfragekurve ist die in der Farbe ORANGE dargestellte Linie. Dies ist die Kurve, die das Verhalten des
Konsumenten darstellt. Vertikal ist der Preis (Euro), horizontal die Menge (Stück) aufgetragen. Wie aus der
Grafik erkenntlich, ist bei einem Preis von 3,00 Euro die nachgefragte Menge = 0 Stück (Punkt 1). Wird der
Preis auf 2,50 Euro gesenkt, wird 1 Stück aufgrund des niedrigeren Preises nachgefragt (Punkt 2). Reduziert
sich der Preis auf 0,50 Euro, werden bereits 5 Stück nachgefragt (Punkt 3) je niedriger der Preis, desto
mehr wird von dem Produkt nachgefragt. Produkte dieser Kategorie nennen sich „elastische Güter“, weil sie
auf Preisänderungen mit einer Mengenänderung „elastisch“ reagieren. Typische Beispiele für solche Güter
sind Produkte aus dem Bereich Konsumentenelektronik, IT, Telekommunikation etc. © lehrabschluss.at Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre Seite | 12
Praxisbeispiel Mobiltelefone: Diese wurden zu Zeiten, wo die Geräte sehr teuer waren, kaum durch die
Konsumenten nachgefragt. Erst als es dann zu einem massiven Preisverfall gekommen ist, wurden sie
zunehmend beliebter. Heute gibt es aufgrund des niedrigen Anschaffungspreises fast niemanden mehr, der
nicht im Besitz eines Mobiltelefons ist.
Es gibt auch den Fall eines „unelastischen Gutes“, d. h. bei dem eine Preisänderung nach unten (Preissenkung)
nur zu einer unwesentlichen Änderung der nachgefragten Menge führt. Hier wäre die Nachfragekurve steiler
eingezeichnet, z. B. wenn eine Änderung des Preises auf 0,50 Euro nur zu einer Änderung der nachgefragten
Menge von z. B. 2 Stück führen würde.
Typische Beispiele für solche Güter sind Produkte aus dem täglichen Bedarf. Dies sind z. B. verderbliche
Güter, Grundversorgungsprodukte wie Strom und Gas (wenn z. B. Strom billiger wird, lässt man deshalb auch
nicht überall das Licht länger brennen, d. h. die Nachfrage bleibt annähernd gleich), Benzin, Heizöl usw. Ein
weiteres Beispiel dafür sind teure Luxusgüter wie z. B. Luxushandtaschen um 4.000 Euro - auch eine
Preissenkung um 50 % auf 2.000 Euro würde zu keiner starken Erhöhung der Menge führen, weil sich generell
nur wenige Menschen Taschen um diesen Preis kaufen. Auch ein Sportwagen um 200.000 Euro würde selbst
bei Reduktion auf 100.000 Euro trotzdem nicht deutlich mehr Abnehmer finden.
Die zweite Kurve ist die Angebotskurve und ist in der Farbe GRÜN dargestellt. Diese Linie ist die Linie der
Produzenten. Sie beschreibt deren Verhalten auf Märkten, wo es auch Konkurrenz gibt. Ein Produzent wird
zu einem Preis von 0 Euro nicht bereit sein, sein Produkt überhaupt anzubieten (Punkt 4). Generell wird der
Produzent in der Realität erst ab einem bestimmten Preis bereit sein, sein Produkt anzubieten. Der Preis
muss dabei so hoch sein, dass zumindest seine Kosten gedeckt sind. Wenn Sie an „Angebotspreise“ denken,
dann sind diese stets auf eine bestimmte Menge limitiert, da der Produzent diesen Preis aus Kostengründen
nicht dauerhaft halten kann.
Der Produzent würde gerne eine große Menge zu einem hohen Preis anbieten, was z. B. bei Punkt 5
ersichtlich wird, an dem das Produkt 2,50 Euro kostet. An diesem Punkt gibt es aber keine Nachfrage, da der
Konsument offensichtlich nicht bereit ist, die angebotene Menge am Markt (bei Punkt 5 sind dies 5 Stück)
nachzufragen. Daher bleibt dem Produzenten nichts anderes übrig, als den Preis entsprechend zu senken.
Dies geschieht so lange, bis der Preis und die Menge angeboten werden, die der Konsument bereit ist, zu
kaufen. Dieser Punkt, an dem sich Angebot und Nachfrage treffen, nennt sich der „Gleichgewichtspreis“. In
unserer Darstellung Punkt GP, der bei 1,50 Euro und 3 Stück liegt. Das ist jener Punkt, an dem tatsächlich der
Verkauf/Kauf am Markt stattfindet.
2.3. Marktformen
Marktformen ergeben sich daraus, dass es für ein Produkt oder eine Dienstleistung unterschiedlich viele
Nachfrager als auch unterschiedlich viele Anbieter geben kann. So kann es z. B. sein, dass sehr viele ein
Produkt nachfragen, dieses jedoch nur von einem oder wenigen Produzenten angeboten wird, oder dass
viele Anbieter auf viele Nachfrager treffen usw.
Wenn man alle möglichen Marktformen tabellarisch darstellen würde, ergeben sich dabei auch einige
Marktformen, die theoretisch zwar existieren, jedoch praktisch kaum relevant sind.
Daher sind in der folgenden Abbildung nur die drei wichtigsten Marktformen dargestellt: © lehrabschluss.at Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre Seite | 13
Abbildung 5: Häufige Marktformen
Vollständigkeitshalber sei erwähnt, dass sich noch 6 weitere Varianten ergeben, wenn man die Tabelle mit
wenigen und nur 1 Nachfrager ergänzen würde, was für unseren Anwendungsbereich jedoch nicht relevant
ist.
Diese Marktformen haben unterschiedliche Auswirkungen auf die Preisbildung am Markt und bestimmen,
ob die Marktform für die Konsumenten- oder die Produzentenseite günstiger oder ausgewogen ist:
Marktform Preisbildung und Marktsituation
Monopol (1 Anbieter) Der Monopolist bestimmt den Preis. Er wird dabei den
höchstmöglichen Preis wählen, den die Nachfrager gerade noch
bereit sind, zu bezahlen.
Dies ist die günstigste Situation für den Anbieter und die ungünstigste
für die Nachfrager. Häufig greift der Staat hier regulierend ein.
Oligopol (wenige Anbieter) Die Anbieter stehen untereinander in Konkurrenz und dadurch
„drücken“ sie sich gegenseitig im Preiskampf nach unten. Dies ist für
die Konsumenten vorteilhaft, da diese von niedrigeren Preisen
profitieren. Diese Situation ist weniger günstig für die Anbieter und
günstig für die Nachfrager.
Hier besteht jedoch aufgrund des Preiskampfes die Gefahr der
Monopolbildung bzw. illegaler Preisabsprachen zwischen den
Anbietern.
Nachfrager
Anbieter
(viele)
(einer)
Monopol
1 Anbieter und viele Nachfrager
z. B. Tabakmonopol, Lotterien etc.
Natürliches Monopol (mehrere Anbieter machen keinen
Sinn): z. B. U-Bahn Betreiber (in Wien die Wiener Linien)
(wenige)
Oligopol
wenige Anbieter und viele Nachfrager
z. B. Mobilfunkanbieter, Tankstellen, Versicherungen,
Banken, große Lebensmittel-Einzelhandelsketten etc.
(viele)
Polypol (vollkommene Konkurrenz)
viele Anbieter und viele Nachfrager
z. B. Gastronomie, Friseure, Installateure, Wohnungsmarkt, Aktienmarkt etc. © lehrabschluss.at Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre Seite | 14
Polypol - vollkommene Konkurrenz
(viele Anbieter)
Beim Polypol stehen viele Anbieter zueinander in Konkurrenz und
kein Anbieter hat eine vorherrschende Markmacht. Daher erfolgt die
Preisbildung durch das Marktprinzip von Angebot und Nachfrage und
ist volkswirtschaftlich betrachtet eine vorteilhafte Marktform.
Diese Marktsituation ist für die Nachfrager eine günstige Situation,
weil diese von niedrigen Marktpreisen profitieren, während die
Anbieter ebenfalls von einem durch den Markt bestimmten Preis
profitieren, ohne dass andere Anbieter eine Machtposition
ausspielen können.
Abbildung 6: Marktformen und Preisbildung
2.4. Wirtschaftsordnungen
Je nachdem, wie „frei“ der Markt durch das Prinzip Angebot und Nachfrage geregelt wird, unterscheidet man
unterschiedliche Wirtschaftsordnungen:
Freie Marktwirtschaft (öko-) soziale Marktwirtschaft Planwirtschaft
Freie Marktwirtschaft
In der freien Marktwirtschaft geht man davon aus, dass sich durch das Marktprinzip von Angebot und
Nachfrage alles selbst regelt. Es werden nur Güter produziert, die nachgefragt werden, Bedürfnisse von
Konsumenten werden von den Unternehmen erkannt und entsprechende Produkte hergestellt. Der Staat
greift kaum in das Wirtschaftsgeschehen ein, er gibt nur einen groben gesetzlichen Rahmen vor, in denen die
Haushalte und Betriebe handeln dürfen. Außerdem stellt die freie Marktwirtschaft darauf ab, dass jeder
Mensch eigenverantwortlich ist, d. h. jeder muss sich selbst um eine Kranken- oder Pensionsvorsorge
kümmern. Der Markt reguliert sich selbst, die Menschen haben völlige Freiheit in ihrem Tun und Handeln,
Produktionsmittel und Güter sind in privater Hand.
Beispielländer mit freier Marktwirtschaft: Am ehesten trifft dies noch auf die USA zu. Es muss jedoch dazu
gesagt werden, dass die „Reinform“ dieser Wirtschaftsordnung in der Realität nicht existiert. Es gibt Länder,
die näher bei der freien Marktwirtschaft sind als andere. Bei den meisten marktwirtschaftlich orientierten
Ländern handelt es sich um eine (öko-) soziale Marktwirtschaft. Auch hier gibt es Unterschiede, so ist z. B.
Großbritannien stärker frei marktwirtschaftlich orientiert als Österreich, beide rechnet man aber zu den
(öko-) sozialen Marktwirtschaften.
+ Vorteile einer freien Marktwirtschaft:
+ Menschen können frei entscheiden, was Sie in ihrem Leben machen wollen, jeder kann Unternehmer
werden und seine Ideen umsetzen, kaum staatliche Einschränkungen, hoher Leistungsanreiz
+ Jeder Mensch hat die gleichen Möglichkeiten, es gibt kaum Vorgaben oder Einschränkungen durch
Behörden oder dem Staat („vom Tellerwäscher zum Millionär“) © lehrabschluss.at Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre Seite | 15
+ Geringere Abgabenquote (d. h. keine Pflichtbeiträge wie z. B. Sozialversicherungspflicht, niedrigere
Steuersätze) - man entscheidet selbst, wie und in welchem Umfang man vorsorgt
- Nachteile einer freien Marktwirtschaft:
- Keine verpflichtenden Vorsorgesysteme - wer nicht selbst vorgesorgt hat, hat keinen Anspruch auf
Grundleistungen wie Krankenversorgung oder soziale Hilfeleistungen
- Soziale Härte, da bei Erwerbsunfähigkeit für kranke, schwache und arbeitslose Menschen kein
soziales Auffangnetz existiert
- Evtl. werden notwendige, aber nicht gewinnbringende Güter nicht erzeugt
- Versorgung mit Grundgütern wie Strom und Gas teilweise nicht sichergestellt, da in privater Hand
- Marktversagen (z. B. durch Preisabsprachen von Anbietern kommt es zu Monopolbildungen zum
Nachteil der Konsumenten)
(öko-) soziale Marktwirtschaft
Dieses System beruht auf den grundlegenden Überlegungen der freien Marktwirtschaft, wobei hier soziale
Härte dadurch vermieden wird, indem der Staat stärker in das Wirtschaftsgeschehen eingreift. Dies geschieht
durch Einhebung von höheren Steuern und Abgaben (Sozialabgaben) sowie Pflichtversicherungen (z. B.
Sozialversicherungspflicht für Unfall-, Kranken-, Pensions- und Arbeitslosenversicherung).
Dadurch wird der Einzelne gezwungen, für diese Bereiche vorzusorgen und es kommt im Falle der
Erwerbsunfähigkeit nicht zu sozialen Härtefällen, da die Kosten durch das System (dem Staat) getragen
werden. Erhält jemand als Unterstützung z. B. im Falle von Arbeitslosigkeit Geld vom Staat, so werden diese
Zahlungen als Transferzahlungen oder Transfereinkommen bezeichnet.
Außerdem wird die Versorgung mit wichtigen, grundlegenden Gütern wie z. B. Stromversorgung,
Wasserversorgung, Infrastruktur etc. vom Staat sichergestellt und liegen nicht oder nur teilweise in privater
Hand. Typische Länder sind die meisten europäischen Länder wie Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien
usw.
+ Vorteile einer (öko-) sozialen Marktwirtschaft:
+ Soziale Härtefälle werden weitgehend vermieden
+ Transfereinkommen sichern schwächere und hilfsbedürftige Menschen
+ Pflichtversicherungen sorgen für grundlegende Absicherung
+ Versorgung mit lebenswichtigen Grundgütern wird staatlich sichergestellt (z. B. Trinkwasser)
+ Hohe Entscheidungsfreiheit der Menschen und Unternehmertum gegeben
- Nachteile einer (öko-) sozialen Marktwirtschaft:
- Je „fleißiger“ man ist und je mehr man verdient, desto höher wird man mit Steuern belastet
- Hohe Abgabenquoten führen vermehrt zu Steuer- und Abgabenbetrug („Schattenwirtschaft“)
- Ein kleiner Anteil hochproduktiver Menschen mit hoher Abgabenquote kommt für den größten Teil
der Transfereinkommen auf
- Sozialbetrug und Ausnützung von Transferzahlungen
- Zu hohe Transferzahlungen wirken produktivitätshemmend („wenn der Staat für mich bezahlt,
warum sollte ich arbeiten gehen?“) und führen zusätzlich oft zu hoher Staatsverschuldung © lehrabschluss.at Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre Seite | 16
Planwirtschaft
Die Planwirtschaft orientiert sich an dem Modell der sogenannten Zentralverwaltungswirtschaft. In einer
Zentralverwaltungswirtschaft wird die gesamte Wirtschaft von einer zentralen Stelle - dem Staat - gesteuert.
Der Staat entscheidet, welche Güter produziert werden und die Betriebe erfüllen die Aufgabe, diese
staatlichen Pläne umzusetzen, also die geplanten Güter zu produzieren. Produktionsmittel dürfen nicht im
privaten Eigentum stehen. Die Betriebe agieren nicht eigenverantwortlich, die Preise werden vom Staat
vorgegeben, daher gibt es auch keinen Markt. Der grundlegende Gedanke dahinter ist, eine gerechte
Verteilung der Güter zu erreichen.
+ Vorteile einer Planwirtschaft:
+ Arbeit wird staatlich garantiert
+ Produktionsmittel werden nach Wichtigkeit und nicht nach Gewinnorientierung eingesetzt
- Nachteile einer Planwirtschaft:
- Zentrale Planung ist sehr langsam und aufwendig
- Der Staat plant an den Bedürfnissen der Menschen vorbei
- Geringes Produktangebot, von vielen Produkten wird zu viel, von anderen zu wenig produziert
- Geringe Auswahl an verschiedenen Gütern für die Bevölkerung, weil nur das Notwendigste
produziert wird
- Da kein Marktprinzip vorherrscht, gibt es keinen Leistungsanreiz
- Kein Anreiz für Innovation und Produktentwicklung – somit kein (vor allem technischer) Fortschritt
- Künstliches schaffen von Gleichheit („jeder bekommt das Gleiche“) ist aufgrund
der Unterschiedlichkeit der Menschen in der Realität nicht machbar
2.5. Staatliche Eingriffe in die Wirtschaft
Auch in marktwirtschaftlich orientierten Systemen wie in Österreich spielt der Staat eine große Rolle. Dies
lässt sich schon allein an der Abgabenquote, also dem Prozentsatz, wieviel vom Einkommen an Steuern und
Abgaben an den Staat zu entrichten ist, festmachen. Diese beträgt in Österreich ca. 42 %. Der Staat greift
mithilfe dieser Finanzen in das Marktgeschehen ein. Obwohl sich der Markt größtenteils selbst reguliert, ist
staatlicher Eingriff in folgenden Fällen notwendig:
Wenn der freie Markt nicht oder schlecht funktioniert („Marktversagen“)
(z. B. öffentliche Verkehrsmittel wären nicht gewinnbringend und daher würde es sie nicht geben)
Wenn Ressourcen nicht optimal verwendet werden
(z. B. Ausbeutung von Rohstoffen und Arbeitskräften, Umweltverschmutzung)
Wenn unerwünschte Marktergebnisse erzielt werden
(z. B. illegaler Handel mit menschlichen Organen)
Daher greift der Staat regulierend in das Wirtschaftsgeschehen ein. Dies geschieht auf mehreren Ebenen:
Ordnungspolitik
Schafft die notwendigen und grundlegenden Rahmenbedingungen für die Wirtschaft.
Dazu zählen: © lehrabschluss.at Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre Seite | 17
Vertragsfreiheit
Eigentumsgarantie
Gewerbefreiheit
regulierende Maßnahmen wie:
Kartellrecht (zur Vermeidung von Monopolen)
Gesetze gegen unlauteren Wettbewerb
Patentschutzrechte
Schutz von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen (Arbeitsrecht)
Bereitstellung von staatlichen Leistungen und Gütern
Dazu zählen:
Öffentliche Güter (wie z. B. Straßen, Beleuchtung etc.)
staatliche Vorsorgeleistungen (wie z. B. Unfall-, Kranken- und Pensionsvorsorge)
staatliches Bildungssystem
öffentliche Leistungen wie z. B. Polizei, Feuerwehr etc.
Wirtschaftspolitik
Dazu zählen:
Einkommens- und Vermögensverteilung
Konjunkturpolitik
Wachstumspolitik
Strukturpolitik
Bei all diesen Eingriffen in die Wirtschaft sollen die Maßnahmen des Staates so weit wie möglich
„marktkonform“ erfolgen, d. h. das Marktprinzip nur dort beeinflussen, wo es negative Auswüchse nach sich
zieht. Weitere Details zum Thema Wirtschaftspolitik werden im Kapitel „Wirtschaftspolitik“ behandelt.
2.6. Konjunktur und Wirtschaftsentwicklung
Unter Konjunktur kann vereinfacht ausgedrückt die Wirtschaftsentwicklung eines Landes (= einer
Volkswirtschaft) verstanden werden, die immer in Zyklen stattfindet. Diese Wirtschaftszyklen entstehen, da
sich Produktion, Angebot, Nachfrage und Preisentwicklung im Laufe der Zeit verändern:
Abbildung 7: Wirtschaftszyklus in entwickelten Ländern (Quelle: brokervergleich.de, Artikel Konjunkturindikatoren) © lehrabschluss.at Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre Seite | 18
Phase
Indikatoren
Aufschwung Boom Abschwung Depression
Auftragslage d. Untern.
Nachfrage
Zinsen
Arbeitslosenrate
Abbildung 8: Verhalten von wirtschaftlichen Indikatoren in den einzelnen Konjunkturphasen
In der Expansionsphase (Aufschwung) verbessert sich die Auftragslage der Unternehmen aufgrund der
höheren Nachfrage, es wird mehr Personal benötigt und somit sinkt die Arbeitslosigkeit, die Zinsen sind
(noch) niedrig und die Erwartungen in die wirtschaftliche Entwicklung sind gut. Durch den hohen
Beschäftigungsgrad besitzen die Menschen mehr Geld, dies wird wiederum ausgegeben und verstärkt
wiederum die Nachfrage, der positive Kreislauf schließt sich.
In der Boomphase (Hochkonjunktur) ist der Höhepunkt erreicht, das Wirtschaftswachstum ist nur mehr
gering bzw. wird wieder leicht rückläufig, es herrscht nahezu Vollbeschäftigung und die Produktion ist am
Höhepunkt angelangt. Das Lohnniveau ist hoch und auch die Zinsen steigen. Da das Angebot nun größer ist
als die Nachfrage, ist eine Marktsättigung erreicht und es beginnt eine leichte Abwärtstendenz.
Nach der Phase des Booms wird die Phase der Rezession (Abschwung) eingeleitet. In dieser Phase wird die
Wirtschaftsentwicklung wieder schlechter eingeschätzt, die Nachfrage sinkt und aufgrund der verringerten
Produktion wird auch weniger Personal benötigt, was zu einem Personalabbau und steigender
Arbeitslosigkeit führt. Als gegensteuernde Maßnahme der Zentralbanken werden die Zinsen wieder gesenkt,
um die Nachfrage wieder anzukurbeln. Hält diese Phase länger an oder steigert sich noch mehr, gelangt die
Wirtschaft in die nächste Stufe, die Depression. Gelingt es durch Wirtschaftspolitik rechtzeitig, die Rezession
zu bremsen und das Wirtschaftswachstum wieder anzukurbeln, kommt es wiederum zu einem Aufschwung
und der Zyklus beginnt erneut.
Gelingt dies nicht, gelangt die Wirtschaftsentwicklung in eine Depression (Konjunkturtiefphase).
Depressionen können als schwerwiegende Wirtschaftskrisen verstanden werden, in denen es zu einer sehr
geringen Nachfrage, geringer Produktion, sinkenden Preisen und teilweise Massenarbeitslosigkeit kommt.
Die Börsen brechen in diesen Phasen zumeist auch drastisch ein. Das Zinsniveau sinkt rapide, da die
Geldpolitik durch niedrige Zinsen versucht, die Wirtschaftsentwicklung wieder in Schwung zu bringen. In
solchen Phasen greift der Staat verstärkt mit Konjunkturpolitik in das Wirtschaftsgeschehen ein, um ein
Verharren in diesem Zustand zu vermeiden.
Sehr oft kann es zu Depressionen kommen, wenn sich die Wirtschaft bereits in einer Rezession befindet und
es dann noch zusätzlich zu Zusammenbrüchen oder schweren Krisen von wirtschaftlich wichtigen Systemen,
wie z. B. dem Bankensystem, kommt. Durch entsprechende Wirtschaftspolitik (intensive Geldpolitik,
Schaffung von Steuererleichterungen, Bekämpfung von Arbeitslosigkeit) kann sich die Wirtschaft wieder
erholen und der Konjunkturzyklus tritt wieder in die Phase des Aufschwungs ein.
Wie aus der Grafik ersichtlich, ist ein typischer Indikator, an dem sich die Wirtschaftsentwicklung ablesen
lässt, das Bruttoinlandsprodukt (BIP), welches im nächsten Kapitel behandelt wird.