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Published on Oct 25, 2026
Description:
Fachhochschule
Deggendorf
Entscheidungsorientierte Einführung in die
Betriebswirtschaftslehre
Prof. Dr. Thomas Bartscher
Fachhochschule Deggendorf
– Kapitel 1 –
Der Alltag eines Unternehmers
Ein Angebot der vhb - virtuelle hochschule bayern Entscheidungsorientierte Einführung in die Betriebswirtschaftslehre
- Kapitel 1 -
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Inhaltsverzeichnis
1. Der Alltag eines Unternehmers ............................................................................ 3
Lernziele .................................................................................................................. 3
1.1 Wirtschaften in Unternehmen.......................................................................... 3
1.2 Betrieb, Markt und Unternehmen.................................................................... 5
1.3 Unternehmer sein heißt Entscheidungen treffen ............................................. 7
Literatur.................................................................................................................... 9 Entscheidungsorientierte Einführung in die Betriebswirtschaftslehre
- Kapitel 1 -
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1. Der Alltag eines Unternehmers
Lernziele
Wenn Sie dieses Kapitel bearbeitet haben, können Sie
die Aufgaben eines Unternehmers beschreiben;
wesentliche betriebswirtschaftliche Begriffe erläutern;
das ökonomische Prinzip darstellen;
den Entscheidungsfindungsprozess in Unternehmen umreißen.
1.1 Wirtschaften in Unternehmen
Grundlegender Betrachtungsgegenstand in der Betriebswirtschaftslehre ist das
wirtschaftliche Handeln von Menschen in und für Unternehmen. Wirtschaftliches
Handeln setzt bewusstes Handeln voraus. Handelt ein Mensch bewusst, so überlegt
er zunächst, auf welche Art und Weise er handeln möchte. Er wird sich fragen:
Welche Handlungsalternativen gibt es für mich? In den meisten Situationen kann ein
Mensch unter mehreren Handlungsalternativen wählen. Kurz: Er muss sich
entscheiden. Ein Mensch wird zunächst die Handlungsalternative wählen, die im
Ergebnis für ihn persönlich am nützlichsten erscheint.
Unternehmer sein, heißt daher für ihn und das Unternehmen nützliche
Entscheidungen zu treffen. Bevor die Entscheidungsfindung in Unternehmen näher
erläutert wird, wollen wir zunächst auf das Wirtschaften in Unternehmen eingehen.
Als Wirtschaften wird der Einsatz knapper Mittel zur Befriedigung menschlicher
Bedürfnisse bezeichnet.
Als knappe Mittel bzw. Güter bezeichnen wir wirtschaftliche Güter, die nur in
begrenztem Maße vorhanden sind und durch menschliche Arbeitsleistung
gewonnen werden. Im Gegensatz zu knappen Gütern sind freie Güter unbegrenzt
verfügbar und für jeden ohne Leistung oder Gegenleistung zugänglich. Freie Güter
sind beispielsweise Luft oder Sonnenlicht. Freie Güter sind für das Wirtschaften im
Sinne der Betriebswirtschaftslehre nicht relevant. Entscheidungsorientierte Einführung in die Betriebswirtschaftslehre
- Kapitel 1 -
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Jeder Mensch hat Bedürfnisse, wie das Bedürfnis nach Essen und Trinken oder das
Bedürfnis nach sozialer Anerkennung. Bedürfnisse drücken immer einen
Mangelzustand aus. Die Menschen möchten diesen Mangel beseitigen, indem sie
ihr Bedürfnis stillen.
Bedürfnisse lassen sich in nicht wirtschaftliche und wirtschaftliche Bedürfnisse
unterteilen:
• Nicht-wirtschaftliche Bedürfnisse werden durch freie Güter befriedigt.
• Wirtschaftliche Bedürfnisse werden durch knappe Güter befriedigt, die nur
durch Leistung oder Gegenleistung erlangt werden können.
Es kann angenommen werden, dass Menschen so viele wirtschaftliche Bedürfnisse
haben, dass diese nicht alle und nicht alle gleichzeitig durch knappe Güter befriedigt
werden können. Wiederum müssen Menschen entscheiden, welche Bedürfnisse mit
den zur Verfügung stehenden Mitteln gestillt werden sollen.
Verfügt ein Mensch über knappe Mittel und möchte er diese einsetzen, um ein
wirtschaftliches Bedürfnis zu stillen, konkretisiert sich dieses Bedürfnis zu einem
Bedarf nach einem knappen Gut.
Vereinfacht können wir sagen: Die mit Kaufkraft ausgestatteten Bedürfnisse nennt
man Bedarf.
Nicht nur Menschen wollen ihren Bedarf befriedigen. Alle Wirtschaftssubjekte
verfolgen dieses Ziel. Zu den Wirtschaftsubjekten zählen private Haushalte,
Unternehmen und der Staat.
Nachfrage nach knappen Gütern entsteht, wenn Wirtschaftssubjekte über
Gegenwerte (in der Regel Geld) verfügen, die sie anderen Wirtschaftssubjekten
zum Tausch anbieten können.
Das bedeutet, dass wirtschaftliches Handeln nachfrageorientiert ist. Menschen
versuchen, knappe Güter zu erlangen, um damit ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Da
dies meist nur über Tausch möglich ist, muss man eine Gegenleistung anbieten
können. Es lassen sich dabei typische menschliche Verhaltensweisen beobachten,
die als ökonomisches Prinzip bezeichnet werden. Entscheidungsorientierte Einführung in die Betriebswirtschaftslehre
- Kapitel 1 -
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Das ökonomische Prinzip basiert auf der Annahme, dass Menschen rational
handeln und sich lediglich am eigenen Nutzen orientieren. Man spricht in diesem
Zusammenhang auch vom homo oeconomicus. Laut dem ökonomischen Prinzip
handeln Menschen nach dem Minimalprinzip oder dem Maximalprinzip.
Nach dem Minimalprinzip soll ein bestimmtes Ergebnis mit dem geringst möglichen
Einsatz an Mitteln erreicht werden.
Nach dem Maximalprinzip soll mit gegebenen Mitteln ein größtmöglicher Erfolg
erzielt werden.
Zusammengefasst lässt sich ableiten, dass Menschen in der Lage sein müssen,
eine Gegenleistung anzubieten, wenn sie knappe Güter nachfragen und sie müssen
abwägen, ob sich der Tausch für sie wirklich lohnt.
1.2 Betrieb, Markt und Unternehmen
Ein Betrieb erzeugt Produkte oder erstellt Dienstleistungen und deckt damit die
Bedürfnisse der Wirtschaftssubjekte. In einem Betrieb arbeiten Menschen, die ihre
Aufgaben in Arbeitsteilung organisieren. Der Betrieb wird von seiner Umwelt als
selbstständig handelnde Wirtschaftseinheit wahrgenommen, die eigenverantwortlich
Entscheidungen trifft und für diese die Verantwortung übernimmt. Zu einem
späteren Zeitpunkt werden wir feststellen, dass nicht der Betrieb die
Entscheidungen trifft, sondern die Menschen, die in einem Betrieb arbeiten.
Ein Betrieb ist eine zweckgerichtete, organisierte, soziale, technische und
umweltbezogene Wirtschaftseinheit. In Betrieben lassen sich zwei Phasen
beobachten: Leistungserstellung (Produktion) und Leistungsverwertung (Absatz).
• In der Phase der Leistungserstellung werden die einzelnen
Produktionsfaktoren Arbeit, Boden, Bildung und Kapital miteinander
kombiniert. In produzierenden Betrieben sprechen wir von Produktion, in
Dienstleistungsbetrieben von Leistungserstellung. Die Abbildung zeigt den
vollständigen Produktions- oder Leistungserstellungsprozess. Entscheidungsorientierte Einführung in die Betriebswirtschaftslehre
- Kapitel 1 -
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Abb. 1: Produktions- bzw. Leistungserstellungsprozess
Dieser Prozess beginnt so, dass ein Input in Form von Produktionsfaktoren
zur Verfügung gestellt wird. Die Produktionsfaktoren durchlaufen einen
Transformationsprozess. Dabei werden die eingesetzten Faktoren mit Hilfe
von Arbeitsleistung und Maschinen verändert. Als Output erhält man dann
die unterschiedlichen Güter oder Dienstleistungen.
• Im Bereich der Leistungsverwertung müssen die Produkte und
Dienstleistungen eines Betriebes verkauft, am Markt abgesetzt, werden.
Der Ort, an dem Unternehmen ihre Produkte anbieten und Konsumenten diese
nachfragen, wird als Markt bezeichnet. Am Markt treffen Angebot und Nachfrage
aufeinander. Im Modul Volkswirtschaftlehre lernen Sie darüber hinaus, dass durch
das Aufeinandertreffen von Angebot und Nachfrage die Preise bestimmt werden.
Der Markt ist jedoch kein statischer Ort, sondern aus heutiger Sicht ein Gebiet, in
dem Anbieter vergleichbarer Wirtschaftsgüter miteinander konkurrieren. Es kann
sich hierbei um einen lokalen, regionalen, nationalen oder internationalen Markt
handeln. Im Wesentlichen wird ein Unternehmen auf zwei Märkten agieren: dem
Beschaffungsmarkt und dem Absatzmarkt. Am Beschaffungsmarkt sind die
Unternehmen Nachfrager nach dem notwendigen Input. Am Absatzmarkt sind die
Unternehmen Anbieter ihrer Produkte.
Abhängig davon, welchen Output ein Betrieb erzeugt, unterscheiden wir
Produktions- und Dienstleistungsbetriebe:
Input
- Arbeit
- Boden
- Bildung
- Kapital
Transformationsprozess
- beschaffen
- transportieren
- lagern
- be- und
verarbeiten
- herstellen
- beraten usw.
Output
- Konsumgüter
- Investitions-
güter
- Dienst-
leistungen Entscheidungsorientierte Einführung in die Betriebswirtschaftslehre
- Kapitel 1 -
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• Produktionsbetriebe stellen Konsumgüter oder Investitionsgüter her. Unter
Konsumgütern verstehen wir Güter, die verbraucht werden. Investitionsgüter
sind von längerer Beständigkeit. Sowohl Konsumgüter als auch
Investitionsgüter sind materielle, d.h. greifbare Güter.
• Dienstleistungsbetriebe erstellen Dienstleistungen. Dienstleistungen sind
immaterielle, d.h. nicht greifbar. Ein typisches Beispiel ist eine Taxifahrt.
Immer häufiger stellen Unternehmen nicht nur Produkte her, sondern bieten
gleichzeitig auch Dienstleistungen an.
Unabhängig davon, ob Unternehmen Produkte oder Dienstleistungen erstellen,
können sie entweder den Fremdbedarf oder den Eigenbedarf decken. Private
Haushalte sind beispielsweise Betriebe, deren Produktion auf die
Eigenbedarfsdeckung ausgerichtet ist. Backt eine Hausfrau einen Kuchen, so tut sie
dies für ihre Familie. Ein Unternehmen ist ein Betrieb, der auf die
Fremdbedarfsdeckung ausgerichtet ist. Auch ein Bäckereibetrieb backt Kuchen, er
tut dies jedoch für den Bedarf seiner Kunden – also für den Fremdbedarf.
1.3 Unternehmer sein heißt Entscheidungen treffen
Eingangs haben wir festgestellt, dass die Basis aller unternehmerischen
Handlungen Entscheidungen sind. Im Wesentlichen muss ein Unternehmer
• Planen - Entscheidungen vorbereiten
• Umsetzen und Koordinieren - Entscheidungen treffen und ausführen
• Kontrollieren - Erfolgswirksamkeit der
Entscheidungen überprüfen
Ein Unternehmen ist in etwa mit einem Kapitän vergleichbar, der das Unternehmen
in eine bestimmte Richtung steuert indem er Entscheidungen trifft. Dazu muss ein
Unternehmen entscheidungsfähig sein. Die Manager und Führungskräfte sind so
etwas wie die Offiziere des Schiffes, sie übersetzen die Entscheidungen in konkrete
Handlungen. Entscheidungsorientierte Einführung in die Betriebswirtschaftslehre
- Kapitel 1 -
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Im Alltag wird ein Unternehmer vor immer neue Fragen gestellt: Soll ein neues
Produkt eingeführt werden? Ist es nützlich, einen neuen Standort zu wählen?
Möchte der Unternehmer diese Fragen beantworten, muss er Entscheidungen
treffen, die auf mehreren Handlungsalternativen beruhen.
Eine Entscheidung ist die Auswahl einer von mehreren möglichen
Handlungsalternativen.
In den Kapiteln 11 bis 13 werden wir uns ausführlich der Entscheidungstheorie
widmen.
Ganz allgemein lassen sich im vorliegenden Zusammenhang zwei grundlegende
Arten von Entscheidungen feststellen:
• Nicht-konstitutive Unternehmensentscheidungen, die den Alltag eines
Unternehmers bestimmen. Diese Entscheidungen haben kurz- bis
mittelfristigen Charakter. Der Unternehmer wird sich z.B. fragen: Wie gehe
ich mit dieser Kundenbeschwerde um? Diese Entscheidungen sind
alltägliche Entscheidungen.
• Konstitutive Entscheidungen sind die grundlegenden, zukunftsweisenden
Entscheidungen eines Unternehmens. Der Unternehmer muss sich hierbei
z.B. fragen: Welche Rechtsform soll das Unternehmen haben? Wie soll das
Unternehmen finanziert werden? Diese Entscheidungen sind zum Teil nur
ein einziges Mal zu treffen. In den folgenden Kapiteln werden wir ausführlich
auf die konstitutiven Entscheidungen eingehen. Entscheidungsorientierte Einführung in die Betriebswirtschaftslehre
- Kapitel 1 -
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Literatur
Bartscher, T./Mattivi, A., Betriebswirtschaftslehre, TR Verlagsunion, München 2003
Wöhe, G., Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Vahlen Verlag
2002